Ich möchte euch mal wieder ein Buch vorstellen. Es ist in gewisser Weise eine Autobiographie, oder einfach ein Buch über die Welt einer in ihrer Jugendzeit schizophrenen Psychologin. Ich habe zusammen mit meinem Freund in der Landshuter Bibliothek entdeckt und ich denke, dass wir beide mehr oder weniger Spaß am Lesen hatten.
Hiert erstmal der Klappentext …

Eine Krankheit, die als unheilbar gilt. Eine Frau, die das Unmögliche schafft. Ein Buch, das Mut macht!
Die erstaunliche Geschichte einer Frau, der das scheinbar Unmögliche gelang: Seit ihrer Jugend litt Arnhild Lauveng an Schizophrenie, fast zehn Jahre ihres Lebens verbrachte sie in der Psychiatrie. Ihr Leben als Patientin war geprägt von Selbstzerstörung und der niederschmetternden Diagnose, dass ihre Erkrankung unheilbar sei. Doch die junge Frau überwand nicht nur die Krankheit, sondern auch das Gesundheitssystem, das sie gefangen hielt – heute arbeitet sie als klinische Psychologin, ist gefragte Referentin und erfolgreiche Autorin.
Schonungslos offen und zugleich voller Humor schildert sie in ihrem autobiographischen Buch „Morgen bin ich ein Löwe“ ihren Weg aus der Schizophrenie. Ohne Sentimentalität und falsches Pathos zeichnet sie das Bild eines psychischen Leidens, das immer noch gesellschaftlich stigmatisiert und mit vielen Tabus behaftet ist. Und sie beweist, dass es möglich ist, nicht nur mit der Krankheit zu leben, sondern sie zu besiegen.
So.. das war einmal ein etwas langer Text. Und er sagt schon relativ viel aus über den Inhalt des Buches. Ich persönlich würde das Buch nicht als spannend beschreiben (so ein Zitat), denn unter Spannung verstehe ich Unterhaltung und zu sagen, dass die Krankheit eines anderen Menschen – selbst wenn bereits überwunden – für mich Unterhaltung ist, fände ich seltsam.
Es gibt Botschaften, welche die Autorin einfach sehr gut rüberbringt und die wirklich wichtig sind: man darf einem Menschen seine Hoffnungen und Ziele nicht stehlen. Es passiert oft, dass einem kranken Menschen in kalter Manier gesagt wird: “Das wird sich nie mehr ändern, du wirst bis zu deinem Tod leiden.” Das ist nicht nur in der psychiatrischen Abteilung so, sondern allgemein im Gesundheitswesen. Es raubt einem wahnsinnig schnell die Kraft.
Arnhild Lauveng beschreibt, dass man ihr immer gesagt habe, Schizophrenie wäre eine unheilbare Krankheit und sie müsse sich damit abfinden. Fakt ist jedoch, dass etwa 1/3 wieder gesund wird, ein weiteres Drittel lebt gut mit der Krankheit und “nur” der Rest ist auf größere Hilfe angewiesen.
Ich kann das Buch also vor allem wegen diesen Passagen empfehlen. Sie geht auf gängige medizinische Begriffe ein, die zwar nützlich sind, um etwas zu beschreiben, aber den Menschen als Individuum aus den Augen verlieren. Es konvergiert zur typischen Symptombekämpfung und die möglichen Ursachen (welche oft mehr als plausibel sind!) für Halluzinationen oder Angstzustände werden nicht beachtet.
Was den Aufbau betrifft muss ich etwas Kritik üben. Hier entsteht für mich keine “Spannung”, wenn sich das Meiste eigetlich wiederholt. Das ist gut zur Verständnis. Es gibt unterschiedliche Ursachen für gewisse Symptome. Das zeigt sie gut auf. Aber für mich waren diese Informationen weniger relevant. Teilweise sehr bewegend, das stimmt schon.
Insgesamt kann ich das Buch jedem empfehlen. Es zeigt einfach, wie unsere Denkmuster oft quer liegen, wir nicht über den eigenen Horizont denken. Es zeigt auch, wie schwierig so ein Gesundheitssystem vor allen im psychologischen Bereich ist. Was bedeutet es eigentlich, dass man einen Menschen dafür bezahlt, dass er einem zu hört? Es ist in gewisser Weise demütigend und stärkt das Selbstbewusstsein nicht (immer). Das führt zu Gedanken, dass sich ansonsten niemand mit einem abgeben würde.
Gesamtbewertung: 






Das Buch fand ich auch sehr gut, aber muss dir zustimmen, manchmal wirkt der Aufbau etwas durcheinander und das stört den Lesefluss. Interessant sind vor allem die Darstellungen über das Gesundheitssystem. Und ich bin mir sicher dass man die Zustände auf jedes europäische / westliche Land übertragen kann.
Ja, das stimmt leider.. . Vielleicht wird sich ja daran in den nächsten Jahren noch etwas ändern =) *den Optimisten ausleb
Das Buch hört sich klasse an und ist genau das was ich suche. Ich werd mir das Buch mal zur Hand nehmen.
Leider muss man sagen, das in der heutigen Gesellschaft das Krankheitsbild der Schizophrenie mit der einer Multiplen Persönlichkeitsstörung (spaltung) verwechselt wird.
Das liegt allerdings an den Medien… die das falsche Bild auch noch fördern.
Hast du das Buch mittlerweile schon zwischen die Finger genommen? :D
Danke für diese Buchvorstellung – das hört sich interessant an! Da weiß ich, was auf meiner Bücherliste jetzt ganz oben steht.
@ Äwe:
Ja, das liegt zum Teil auch an dem etwas irreführenden Begriff der Schizophrenie (wörtlich “abgespaltene Seele”) – wobei die Spaltung dort eben zwischen Kognition und Affekt gemeint ist und nicht zwischen verschiedenen Persönlichkeitsanteilen wie bei einer dissoziativen Identitätsstörung (der neuere Begriff für MPS).