(Foto: cliff1066)
Neulich ist mir in der Bücherei der Roman/Erzählung “Caretta Caretta” von Paulus Hochgatterer in die Hände gefallen. Daraufhin habe ich es ausgeliehen und zum ersten Mal seit einer längeren Zeit wieder das Gefühl erleben dürfen, das man hat, wenn man ein Buch gewissermaßen verschlingt. Das ist gut so.
Dominik ist fünfzehn. Er lebt in einer Wohngemeinschaft für verhaltensauffällige Jugendliche und verkauft sih regelmäßig an verschiedene Erwachsene, die ihn für seine körperlichen und emotionalen Dienste bezahlen.
Als eines seiner Geschäfte misslingt, gerät Dominik in einen Strudel von Ereignissen, dessen Sog sich auch der Leser nicht entziehen kann, und landet schließlich, auf der Suche nach der geheimnisvollen Karettschildkröte, an einem türkischen Strand. Nach und nach wird klar, wie Dominik zu seine Rolle geraten ist, wer ihn dazu gebracht hat, und dass die Verantwortlichen längst zur Rechenschaft gezogen wurden …
(Klappentext)
Hochgatterer ist ein österreichischer Psychiater und Schriftsteller. Beides kann man im Buch gut erkennen ;) Ich persönlich mag seine Art zu schreibensehr gerne und fühle mich natürlich wohl, wenn einige Begriffe auftauchen, die es im Hochdeutschen nicht gibt. Aber darum soll es hier nicht gehen.
Es gibt einige Bücher über Probleme Jugendlicher. Vielleicht nicht ganz so viele, wie Sandkörner am Strand, aber immerhin fast. Wenige dieser Bücher sind gut. Sie haben oft einen geradlinigen Erzählstrang mit sehr stumpf beschriebenen Protagonisten/Innen und beschreiben Szenen ohne Tiefe, die trotzdem zu detailliert sind, um geschmackvoll zu sein. Hochgatterer spricht heikle Themen an und das nicht selten, allerdings auf eine sehr sensible Art. Er erniedrigt seine Charaktere dadurch nicht, wie es oft geschieht. Beziehungen und Machtverhältnisse, Stimmungen, Gedanken und Gefühle lesen sich, wie sie gelesen werden sollen.
Die unechte Karettschildkröte (siehe Bild) spielt eine nicht unbedeutende Rolle in der Erzählung. Dazu möchte ich nicht allzu viel sagen, nur: meiner Meinung nach hat Hochgatterer eine sehr angenehme subtile Art Humor und Ironie zwischen seine Worte gelegt. Die Karettschildkröte wird als bezaubernd, ja das “wunderschönste Tier”, das Dominik gesehen hat, beschrieben. Seine Beschreibung liest sich fast schon phantastisch, wie ein Fabelwesen, und weniger nach einem echten Lebewesen. Die Schildkröte ist jedoch eine Vertreterin der Meeresschildkröten und stellt wahrscheinlich die bekannteste und die (noch) häufigste dieser Gruppe dar.
Ich würde im Übrigen darauf verzichten den Amazon-Text zu lesen, da er für mich zu viel verrät und ich mir vorstellen könnte, dass dadurch das Buch an “Spannung” verliert und man es mit weniger Offenheit lesen wird.

Vielseitig wie du bist, bist du jetzt auch unter die Buchkritiker gegangen. Deine Beschreibung macht Lust auf mehr, und wie bist du dazu passend auch noch zu dem Schildkrötefoto gekommen.? Oder hast du dir das passende Buch zum Foto ausgeliehen ?
lg aNette
Na ja – würde ich mehr Bücher zu Ende lesen und nicht nach den ersten 30 Seiten nur noch schleppend voran kommen und schließlich bei der Hälfte das Buch weg lesen (aus Prinzip eigentlich bei sehr dünnen Büchern – die wenigen dicken Bücher, die ich gelesen habe, hab ich verschlungen), würde es hier mehr Kritiken geben und sie würden sich vielleicht auch besser lesen.
Die Karet-Schildkröte ist ein wesentlicher Bestandteil des Buches. Aber da es bei meiner Ausgabe nicht dezitiert im Klappentext steht (so wie bei Amazon) hielt ich es für wichtig, nicht allzu viel dazu zu sagen. Ich weiß eben nicht, was gewesen wäre, hätte ich den Verlauf schon vorher gewusst (und im Prinzip steht der so in Amazon drin).
Ich werde aber zur Aufklärung einen Absatz noch hinzufügen. Danke für den Hinweis!
das hört sich sehr spannend an!
P.S.: Hatte ichbei dir schon erwähnt, dass mein Blog zeurzeit nicht aufrufbar ist, weil 1und1 da was zerschossen hat? Echt blöd und bisöang leider nicht zu beheben…
ja, das ist eines der tollsten gefühle, die bücher vermitteln können, aber oft habe ich das nicht, wenn ich lese.
irgendwie kann ich mir fast nicht vorstellen, dass das buch so mitreißend ist, aber es würde mich jetzt tatsächlich reizen, zumindest mal reinzulesen.
Also “mitreißend” würde ich es auch nicht bezeichnen :) Es ist gut. Ein allzu mitreißendes Buch mit dieser Thematik wäre billig, also schlecht.
ich hab das mitreißend im sinne von ‘verschlingen’ gemeint (=